Mit der Mütze in Belgien - Velofollies 2026

Mit der Mütze in Belgien - Velofollies 2026

Radsportbegeisterung wird in Belgien groß geschrieben, daher verwundert es kaum, dass die laut Wikipedia zweitgrößte Radmesse Europas in der 80.000-Einwohner*innen-Stadt Kortrijk über die Bühne geht. Wir in Düsseldorf können ja Dank der Cyclingworld jedes Jahr einen kleinen Freudentanz hinlegen, die Entwicklung unserer heimische Messe hat in den letzten Jahren europaweit für Aufsehen gesorgt. Das darf man auch ganz ohne Lokalstolz behaupten. Für uns Mützen ist das Zeitfenster, das wir zum Messebummel abseits unseres Stands und unserer Rides verbringen können, so klein, dass ein Besuch bei den Nachbarn Sinn macht. Und Belgien ist für die Mütze immer eine Reise wert.

Der gute Ruf der Velofollies brachte die Messe bereits in den letzten drei Jahren auf unsere Agenda, in diesem Jahr haben Kerstin und ich ernst gemacht, sind nach Westflandern unweit der französischen Grenze gefahren und haben mit großer Freude zwei Tage im Namen des Fahrrads verbracht. 2007 gegründet, merkt man der Messe ihren Standort und ihre Verbundenheit zum Radsport an: Rennrad, Gravelbike und MTB sind weit verbreitet, E-Bikes, Cargobikes, Falträder und urbane Lösungen sind präsent, aber nicht adäquat zu ihren Marktanteilen. Was die Ausstellerliste angeht, dürfte sie in weiten Teilen nah an der Cyclingworld liegen, ergänzt durch lokale Hersteller und Großhändler.

Die Velofollies wirkt manchmal etwas traditioneller als die Cyclingworld, die durch verschiedene Faktoren einen moderneren Eindruck macht. Ohne Klischees zu bemühen und das eigene Alter fest im Blick, habe ich schon das Gefühl, dass der Alterdurchschnitt auf der Cyclingworld niedriger und der Frauenanteil höher ist. In einem Punkt unterscheidet sich die Velofollies zumindest massiv von der Cyclingworld: Probefahrten. Mitte Januar ist auch in Belgien die Sonne kein garantierter Besucher, daher gab es eine kleine Indoor-Location mit Test-E-Bikes. Wer sportlich Radfahren wollte, wurde zum Beispiel beim Hunt-Early-Bird-Ride perfekt abgeholt, neben Alex von Hunt waren Freunde wie John von Albion und Jon von twotoneams und der Cyclezirkus am Start.    

Während für uns Radmessen vor zehn Jahren noch einem Besuch im Candy-Store gleichkamen, inklusive aller positiven und negativen Begleiterscheinungen, so haben die Überraschungsmomente in den letzten Jahren etwas nachgelassen, ohne dass unsere Begeisterung gelitten hat. Wir sind Messefans und nach wie vor immer sehr angetan von der Möglichkeiten, aktuelle Produkte in echt zu sehen und anzufassen. Oft ist ein Messebesuch der Ursprung unseres Sortiments, Komplimente unserer Kunden vor Ort, dass unsere Auswahl im Laden so gut ist, hat auch immer mit unserem Bemühen zu tun, sinnvolle Ergänzungen zu unserer Auswahl zu finden. Wobei wir natürlich nicht die soziale Komponente einer Messe unterschlagen möchten, die Gespräche vor Ort sind wichtig und angenehm, zu unserer Freude ist die Branche mit vielen positiven Menschen gesegnet.  

Das gilt natürlich vor allem für die Brands, mit denen wir bereits arbeiten. Viele unserer Partner waren mit einem Stand vor Ort, Marken wie Cicli Barco, Hunt, Ahooga, Cyclite, Schwalbe, Lake, Fizik und Orbea waren auch als Aussteller von der Velofollies angetan. In den 6 Hallen tummelten sich 600 Marken, zwischendurch gabs leckere warme belgische Waffeln sowie köstlichen Kaffee von Il Magistrale. Bas war mehr als umtriebig, man hatte das Gefühl, dass er als Barista knapp auf der Hälfte der Stände sein schwarzes Gold persönlich zubereitete. 

Welche Bedeutung Radsport und Radsportler*innen in Flandern haben, wurde im Umfeld der Talk-Bühne deutlich sichtbar: während in Deutschland solche Bereiche trotz kreativer und informativer Gespräche und Präsentationen nie wirklich voll sind, so darf sich in Belgien auch jedes Jugendteam bei der Vorstellung auf ein großes und kompetentes Publikum freuen. Die Chance, einen Blick auf die Stars von Morgen werfen zu können, lässt sich im Land von Lotte Kopecky und Wout van Aert niemand gerne entgehen, fachliche Diskussionen interessieren nicht nur Fachbesucher*innen, sondern auch ganz normale Radfahrer*innen.

Wyatt vom Blog The Business of Cycling sieht in seinem Artikel die Velofollies als Messe mit dem Schwerpunkt Business, was sicherlich nicht ganz abwegig ist. Hier spielt die traditionelle Ausrichtung sicherlich eine Rolle, wobei man nicht behaupten kann, dass es keine Stände gab, die "size matters" als Konzept hatten. Und in Teilen der Radindustrie wirkt es noch immer so, als müsste man wöchentlich neue technische Superlativen ausbreiten, um im Markt wahrgenommen zu werden, emotionale Komponenten kommen da oftmals zu kurz, gerade bei großen Marken. Oftmals waren es Kleinigkeiten an kleinen Ständen, die unsere Aufmerksamkeit erzielen, aber das ist halt auch unser Fokus. Immerhin verstehen wir uns als Laden für die besonderen Dinge, dass sich die selten im Mainstream abspielen, erahnt man vielleicht.

Ansonsten bekommt ihr eine gute Messe-Produkt-Übersicht der Velofollies  von Jan Gathmann auf der Seite der Rennrad-News, wir setzen einfach mal den Link hier hin.

Ich wünsche allen viel Spaß mit der unten folgenden Galerie der Messeshots von Kerstin, die wie immer einen etwas besonderen Blick auf die Velofollies, die Räder, das Zubehör und die Aussteller*innen und Besucher*innen vermitteln. Jetzt rollen wir alle Richtung Cyclingworld am 20. bis 22. März.

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3 Kommentare

  • Wolfgang Prohl am

    Dankeschön für die Infos ohne Marketinggetöse

  • Georg am

    Da war aber jemand fleißig! Klasse Bilder und schöne textliche Einordnung der Messe. Danke!

  • Jon at Twotone am

    Tolle Bilder von der Messe! 😍

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