Grüße aus der Mütze

Grüße aus der Mütze

Draußen beißt die Kälte, da spare ich mir die letzten Körner des Jahres für ein paar andere Aktivitäten auf, als fünfhundert Kilometer in den Tagen zwischen den Jahren zu fahren. Zum Beispiel eine in jedem Jahr aufs Neue gern absolvierte Aufgabe: das vergangene Jahr in warme Worte verpacken. Doch wenn ich mir den Rückblick 2024 nochmal durchlese, stelle ich fest, dort schon einiges geschrieben zu haben, was aktuell noch immer halbwegs vernünftig klingt und ich wahrscheinlich so oder ähnlich auch fürs neue Jahr prognostizieren würde. Daher setze ich den Schwerpunkt mal etwas anders und kombiniere ein paar Gedanken zu unserem Treiben in und um die Mütze mit einen kleinen Blick zurück und einem größeren Blick nach vorn auf alles, was wir aktuell in 2026 schon absehen können. Sämtliche Überraschungen des Jahres 2026 bekommen dann zum Jahreswechsel 2026/2027 ihren Platz.

Makrokosmos

Die Fahrradbranche hofft seit mehr als drei Jahren, immer im kommenden Jahr ihre Probleme lösen zu können und wieder in der Normalität anzukommen. Nun muss man sich fragen, ob die Normalität vor Corona der Normalität der kommenden Jahre entspricht oder ob Corona nicht einfach nur ein paar Probleme offengelegt hat, die eh vorhanden waren. Mir als Quereinsteiger steht es auch nach mehr als elf Jahren Radladen nur bedingt zu, den Branchenkenner zu geben, daher schreibe ich diese Zeilen voller Demut, aber mit dem Enthusiasmus, den ich für das Thema Fahrrad aufbringe. Mir ist bewusst, dass wir, die einen hohen Anteil an sportlichen und einen geringen an elektrisch unterstützten Rädern haben, uns auf der halbwegs sonnigen Seite der Branche befinden. Aber so als Vollsortimenter, mit einer umfangreichen und richtig guten Bekleidungsauswahl, mit hochwertigem Zubehör aller Couleur und mit einem Einzugsgebiet, dass deutlich über Düsseldorf hinaus geht, gönnen wir uns einfach mal einen Blick aus unserer Perspektive.

Dass wir uns nicht alleine Gedanken machen, sondern Journalist*innen, Berater*innen und unzählige Kolleg*innen in verschiedener Form nach neuen Wegen suchen, um den Kosmos Fahrrad erfolgreich zu positionieren, zeigt ja eine gewisse Offenheit nach den letzten, doch eher komplizierten Jahren. Lesenswert für alle, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, sind hier u.a. die sogenannten Brixen Papers, die aus einem Branchen-Thinktank entstanden sind. Man muss nicht bei allem einer Meinung sein, aber viele der Probleme der Fahrradindustrie und zugehörige Lösungsansätze werden benannt.

Mikrokosmos

Wir sind damit verglichen nur ein kleines Licht, aber ein wenig leuchten wir mit. Und unser Weg, sich von Anfang an als Teil der Düsseldorfer Radkultur zu verstehen, war nun mal kein geschickter strategischer Zug, sondern die Mütze ist genau aus diesem fruchtbaren Boden, den wir selbst bestellt haben, erwachsen. Wir sind unseren Weg gegangen und waren bereit, aus den Fehlern zu lernen und eigene Erfahrungen als Basis der Empfehlungen in der Mütze zu nutzen.

Es war und ist uns wichtig, nicht beliebig zu sein, sondern ein Radladen mit klarer Haltung und Meinung. Wir wollen der Laden sein, der uns selbst begeistert, in dem wir selbst am liebsten einkaufen gehen möchten, weil das Sortiment Sinn ergibt und Facetten abbildet, die uns wichtig sind. Möglichst frei von Marketing-Bullshit-Bingo, sondern befeuert von unserem eigenen Anspruch an Qualität. Unsere Begeisterung muss anstecken, denn sie ist unsere Überzeugung und unser Schlüssel zu euch, unseren Kunden.

Erfahrungsgemäß sind nicht alle Wege, die wir mit der Mütze einschlagen, vom Erfolg gekrönt, hin und wieder wird unser Terrain rustikal bis kaum befahrbar, dann müssen wir umdrehen. Aber im Großen und Ganzen funzt das Navi und die Richtung stimmt. Hier freut uns im Rückblick der vergangenen zwölf Monate sehr, dass der Schritt zu Orbea ein guter für die Mütze und Orbea war. Die Möglichkeiten, die Orbeas umfangreiches Individualisierungsprogramm names MYO bietet, passen perfekt zu unserer Art, Räder zu verkaufen. In der Kombination mit Nils von MotivAktiv und seinem Bikefitting haben somit unsere Kunden die wunderbare Chance, ein perfekt passendes Rad inklusive korrekter Kurbel- und Vorbaulänge sowie Lenkerbreite bei uns im Empfang zu nehmen. Wer sich für einen Renner oder ein Gravelbike der Spanier interessiert – Details erklären wir gern beim Gespräch im Laden. Dass zusätzlich unzählige Gestaltungsmöglichkeiten möglich sind, überfordert manchmal im ersten Augenblick, führt aber bisher immer zu zufriedenen Kundinnen und Kunden.

 

Selbiges gilt natürlich weiterhin für unsere Mütze-Individualaufbauten. Ob mit einem Rahmen aus Stahl, Titan oder Carbon als Basis, unsere Aufbauten sind schick, passen und machen seit mehr als zehn Jahren viele Fahrer*innen mit den unterschiedlichsten Anforderungen glücklich. Viele Neueinsteiger*innen haben in den letzten Jahren erlebt, dass ein perfekt passendes Rad nicht viel teurer sein muss, als die Lösung von der Stange, die diverse Umbauten benötigt, bis man vernünftig sitzt. Gerade, wer am Anfang wenig eigene Erfahrungen und Kenntnisse mitbringt, freut sich über eine kompetente Beratung im Fachhandel, um sicherzustellen, dass das Rad zumindest in der Größe passt. Hier können Online-Ratgeber Hilfe bieten, aber wer als Einsteiger*in aufgrund von Körperdaten, der begleitenden Beratung des gesamten Freundeskreises und diverser Social Media Gruppen sein Fahrrad auswählen möchte, sollte eine gewisse Akzeptanz zu Nachbesserungen mitbringen. Inklusive des finanziellen Spielraums.

Und sonst?

Dass heute das Schlagwort Community in jedem Marketing-Anschreiben auftaucht, kommt nicht von ungefähr. Dass eine stabile Community aber auch viel mit Engagement zu tun hat, erfahren alle, die sich ernsthaft mit diesen Ansinnen auf den Weg machen. Unser lokales Engagement wird auch immer dadurch angetrieben, dass wir Chancen sehen, zu gestalten und Schwerpunkte zu setzen. Unsere Aktivitäten im Rahmen des großartigen Rund-um-die-Kö-Orga-Teams, um ein Beispiel zu nennen, richteten sich von Beginn an auf die Schwerpunkte Kinder, Jugend und Frauen. Und nach all den Jahren dürfen wir sagen, dass wir Erfolge zu verzeichnen haben, auf die wir stolz sind. Dass immer mehr lokale Rennveranstaltungen exklusive Frauenrennen anbieten, zeigt, dass wir Vorreiter*innen waren. Und sobald die Formate da sind, auch das Interesse und Starter*innen dieser Zielgruppen folgen. Durchhaltevermögen vorausgesetzt.

Wir haben uns 2025 mit einigen „Cyclesomatics“ zusammengetan und gemeinsam einen Verein gegründet, der in Zukunft die Basis für lokale Veranstaltungen zwischen Radkultur und Radsport werden soll. Rund um die Kö war 2025 das erste Event unter dem Banner von bling e.V., schauen wir mal, was wir gemeinsam in 2026 dazu auf die Beine stellen können. Wer Lust hat, kreativ und ehrenamtlich mitzuarbeiten oder einfach nur dem Verein beitreten möchte: bitte hier entlang - Mitgliedschaftsantrag

Um mal aus dem Nähkästchen zu plaudern: mitzuerleben, wie aus einer Idee und dem Engagement zahlreicher ehrenamtlicher Helfer*innen plötzlich Netzwerke entstehen, die NRW-weit Organisator*innen zusammenbringen und gemeinsame Pläne umsetzen lassen, das ist schon großes Kino. Viel mehr verrate ich noch nicht, zumindest nicht, bevor wir ein paar Schritte weiter sind. Und checkt mal die neue Website von Rund um die Kö, wir haben einen freshen Look.

On the Road.

Nun aber mal ein Blick auf die Geschichten, für die wir und unsere Mitfahrer*innen unsere Räder schätzen - Ausfahrten. 2026 wartet zumindest die längste Tour, an der wir je beteiligt waren: The Grain. Unser Freund Pierre-Charles – vor ein paar Jahren noch Teil des Mützenteams - betreibt seit einiger Zeit in Dijon mit scops ein Unternehmen, dass sich mit Begeisterung um Graveltouren kümmert. Ausfahrten vor Ort ebenso wie Langstrecken-Runden von Paris bis Dijon. Pierre-Charles hat in den letzten zwei Jahren einige Zeit damit verbracht, eine Ausfahrt von Düsseldorf nach Dijon zu planen und eine Route zu finden, die als All-Road-Variante zur Hälfte Gravel, zur Hälfte kleine asphaltierte Straßen vereint. Es ging nicht um Singletrails und Geröllhalden, sondern um eine schöne, gut fahrbare Strecke. Und so sind insgesamt 860 Kilometer mit 12.000 Höhenmetern zusammengekommen. Alle The Grain - Starter*innen haben 135 Stunden Zeit, somit wird klar, dass das Ganze eine etwas ambitioniertere Veranstaltung ist, die man nicht mal so locker runterfährt. Wer also Spaß an einer Herausforderung hat und am 29. Mai 2026 sich ein paar Tage Zeit nehmen kann: die Website steht, die Anmeldung läuft und die Tickets sind auf 99 Stück limitiert.

Wir freuen uns darüber, mit Orbea einen unserer Partner als Hauptsponsor gewonnen zu haben, dazu sind mit Quoc, Ciclovation, Shimano und Brooks vier weitere unserer Partner dabei und mit Baroudeur Cycles ein Kollege aus Dijon, der nicht nur im Sortiment einige Schnittstellen zu uns hat.

Nicht ganz so ambitioniert, aber für regelmäßige Fahrer*innen ausreichend hoch auf der Skala der Herausforderungen steht eine Veranstaltung, die 2025 ihr Debüt feierte: Crossing Borders. Gemeinsam mit unseren Freunden von Off the Map in Maastricht und unseren Kollegen von Albion, Hunt, Chimpanzee, Brooks und ClimAid haben wir die grenzüberschreitende Tour Richtung Maastricht ins Leben gerufen. Während wir im März 2025 eine One-Way-Ausgabe mit Bustransfer zurück absolviert haben, gab es im Juli das volle, zweifach grenzüberschreitende Brett: Start jeweils in Düsseldorf und Maastricht, Verpflegungsstation in Floßdorf, Pause bei Off the Map oder in der Mütze und dann den Weg zurück. So stehen 265 Kilometer auf dem Tacho, die wir im letzten Jahr in zwei geführten Gruppen mit jeweils knapp 25 Personen unternommen haben.

2026 werden wir Crossing Borders etwas größer werden lassen. Wir limitieren die Anzahl an Tickets auf 80 Teilnehmer*innen auf Düsseldorfer Seite, dazu soll die niederländische Delegation auch wachsen. Ihr könnt euch einer der geführten Gruppen mit definierter Durchschnittsgeschwindigkeit anschließen oder die Strecke allein oder mit Freundinnen und Freunden in Angriff nehmen. Daher werden die Öffnungszeiten der Verpflegungsstation sowie der Wendepunkte Mütze und Off the Map angepasst. Details demnächst unter crossingborders.cc.

Aktuell setzen wir uns immer sonntags den Elementen aus und fahren im Rahmen der Winterschmuddelparade im entspannten Tempo über unsere liebsten Wirtschaftswege des linksrheinischen Umlands. Der erste Sonntag des Monats gehört seit drei Jahren dem Gravelbike, je nach Wetterbedingungen rollen wir dann über die geschotterten Wege Richtung Nord-Ost oder Süd-West. Ende Februar groovt die WSP aus, der März gehört dann der Cyclingworld und den nötigen Vorbereitungen. Wir freuen uns bekanntlich nicht nur auf die Messehallen, sondern auch auf unsere Ausfahrten im Rahmen der Veranstaltung.

Die Frauenbewegung Rennrad startet dort in die Saison, dazu werden der Giro Del Basso Reno Rennradfahrer*innen und die sonntägliche Schotter, Kies & Moos – Ausgabe die Gravelistas glücklich machen. Wieder an Bord bei der Cyclingworld ist 2026 Schorsch von CYCLE4WATER, sowohl mit dem Spendenstand aka Alk-freiem Bier-Mobil als auch auf dem Rad. Lasst euch überraschen, was wir gemeinsam mit Schorsch und weiteren Verbündeten auf die Beine stellen werden, wir arbeiten dran. Dazu wird Volker wieder die Klassiker-Community zu einer Ausgabe der Klassikerausfahrt einladen, erfahrungsgemäß im Rahmen der Messe eine tolle Gelegenheit für ein Come-Together für alle Freundinnen und Freunde alter Rennräder. Immerhin einer der Gründungspfeiler der Mütze.

Unsere Ausfahrten liegen uns am Herzen, sie sind Teil der DNA der Mütze und ihr offener, niedrigschwelliger Ansatz hat in den letzten Jahren unzählige Fahrerinnen und Fahrern den Spaß von Ausfahrten in der Gruppe deutlich gemacht. Wir versuchen unsere No-Drop-Policy ziemlich konsequent umzusetzen und sind damit ebenso erfolgreich wie mit unseren Instruktionen im Vorfeld der Ausfahrten. Auch wenn man mir wahrscheinlich öfter anmerkt, dass eine wöchentliche Ansprache über die „Do‘s and Don’ts“ einer gemeinsamen Ausfahrt nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört, so ist der Erfolg dieser Geschichten doch nicht zu übersehen. Uns ist es wichtig, auch hier Erfahrungen weiter geben zu können und möglichst ideale Rahmenbedingungen für tolle Gruppenausfahrten zu schaffen.

Ziele

In dem Zusammenhang gönne ich mir zum Abschluss eine kleine Kritik an den Entwicklungen der Radsport-Community der letzten Jahre. Passt hier super, weil man sich das ganz toll als guten Vorsatz zum Jahreswechsel auf die Agenda schreiben kann. Ich weiß, dass diese Jahresendgeschichten immer viel gelesen werden, daher ist das hier vielleicht besser aufgehoben als in einem anderen Rahmen. Denkt daran, nicht alle, die auf einem Dropbar-Bike unterwegs sind, sind gerade im Rennmodus. Das Leben ist kein Wettkampf. Sondern wir haben alle eine Leidenschaft, schon daher sind wir eine Community. Das dürfen wir zeigen, uns und allen anderen.

Es mag erstmal verwunderlich erscheinen, wenn man noch nie davon gehört hat, aber es gab Zeiten, da grüßten sich Rennrad-Fahrer*innen unterwegs. Ja, alle. Wenn man sich entgegenkam oder wenn man sich überholte. Eine kleine, nette Geste, die dem Ruf des autistischen Radsportlers bzw. Radsportlerin komplett konträr entgegenstand. Eigentlich wäre es wünschenswert, genau das wieder zu etablieren. Ihr dürft das auch gerne ausweiten und generell alle Radfahrer*innen grüßen, aber wenn die Drop-Bar-Community das erstmal für sich gewuppt bekommt, ist das ja ein schöner Effekt. Und nehmt ruhig eine Hand vom Lenker und grüßt deutlich, die hochgezogene Braue hinter der schnellen Brille gilt nicht. Schauen wir mal, ob wir nicht 2026 zum Jahr des Grußes werden lassen. In Zeiten wie diesen, wo vieles andere gerade den Bach runter geht und verbindende Elemente immer weniger deutlich werden als Unterschiede, wäre das ja schon mal ein toller Ansatz.

Euch allen einen grandiosen Start ins neue Jahr. Lasst uns 2026 rocken.

Carsten

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1 Kommentar

  • Martin Möller am

    Neben allem Wichtigen, Politischem, Philosophischem finde ich die Wiederbelebung des freundlich sichtbaren Radlergrusses eine feine Anregung. Er zeigt unter anderem auch Anerkennung und zeigt doch auch, dass wir Velonauten eine gemeinsame Leidenschaft haben: zwischen den ORTSSCHILDRENNEN gepflegt durch die Landschaft cruisen. Nun denn, Bestes 2026, und: Biker aller Länder, vereinigt Euch! In dem Sinne, Matz.

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