The Grain – Das große Ultra Distance Abenteuer

The Grain – Das große Ultra Distance Abenteuer

Abenteuer zu planen, ist eine anspruchsvolle Kunst, schließlich liegt es in der Natur des Abenteuers, Planungen zu ignorieren. Und doch kann man ein Gerüst bauen, das einen Hauch von Hilfestellung bietet und so ein Selbstversorger*innen-Event zu einem Abenteuer mit Charakter, aber auch mit ein paar sozialen Komponenten macht…

Eine vorgegebene Strecke von 860 Kilometern, dazu 12.000 Höhenmeter, alles in 135 Stunden zu absolvieren: die nackten Daten ließen wenig Zweifel daran, dass es sich bei The Grain durchaus um eine ambitionierte Veranstaltung handelt. Pierre-Charles hat in Frankreich mit seiner Firma scops.cc bereits vielseitige Erfahrungen im Abenteuer-Segment gesammelt, so haben vier Ausgaben der Serie Along mit einer Bikepacking-Reise von Paris entlang der Seine bis zu ihrer Quelle nordwestlich von Dijon eine Community geschaffen, die sich mit Spaß und Zuversicht auf die Reise macht und Herausforderungen schätzt. Viele der Fahrer*innen haben so auch den Weg nach Düsseldorf gefunden, um bei der ersten Ausgabe von The Grain dabei zu sein. Obwohl die französische Community eindeutig in der Überzahl war, so gab es doch auch Starter*innen aus Deutschland, die sich auf die Reise nach Frankreich gefreut haben.

Von Freitag an trafen die Teilnehmer*innen in der Mütze ein, ein Ladencheck stand für viele auf der Agenda, dazu Sight-Seeing und Bummeln in Düsseldorf. Wir haben uns sehr über die Komplimente über die Mütze gefreut, gerade von der Vielzahl der Fahrer*innen, die viel Zeit auf und mit dem Rad verbringen. 

Am Samstagnachmittag wurde schließlich unser Innenhof zum Hot-Spot der Long-Distance-Society. Pasta-Salate und Focaccia boten Carbo-Loading in der leckersten Form, die Besucher*innen hatten Spaß und plauderten angeregt, deutsche Neueinsteiger*innen tauschten sich mit französischen Self-Supported-Kennern aus, unser lokaler Verein bling half bei der Orga. Selbst nach Transponder-Ausgabe und umfangreichen Briefing wirkte die Atmosphäre massiv entspannt, von Aufregung keine Spur. Schließlich brachen die Teilnehmer*innen in ihre Hotels, (Airbnb-)Wohnungen oder privaten Schlafplätze auf, um sich mit einer letzten kurzen Nacht den nötigen Schlaf für die erste Etappe zu gönnen. 

Die Wettergöttinnen ließen es sich nicht nehmen, Düsseldorf am Sonntagmorgen um 5:00 Uhr mal einen richtigen Schauer zu gönnen, zum Start um 6:00 Uhr blieb es dann erstmal trocken. Um 6:45 Uhr gab’s dafür ein massives Gewitter, dass auf der linksrheinischen Seite Himmel und Horizont zu einem Ereignis werden ließ. Der Start lief reibungslos, nach Kaffee und ausgerüstet mit himmlischem Bananenbrot von Bulle ging es nach und nach auf die Reise. Einzelne Fahrer warteten ab, bis das Gewitter über der Mütze lag und fuhren genau dann los, andere verbrachten noch etwas Zeit in Düsseldorf und warteten, bis der Himmel freundlicher wirkt.  

Generell hatte das Wetter In den Tagen bis zum Ziel in Dijon keinerlei Hemmungen, die volle Bandbreite eines Frühlings zu bieten, ob 9° und mieser Regen oder 28° Grad und Sonne, alles dabei, Wechsel gern im Halbstundentakt. Wer als Begleiter seine Bekleidungswahl am Sonntagmorgen zwischen 8:17 und 8:26 trifft,  vermisst bei solchen Bedingungen unterwegs gerne mal was Warmes. Aber das hat die Fahrer*innen deutlich härter erwischt, wer auf trocken und halbwegs schön eingestellt war, musste unterwegs nachlegen oder leiden. Dazu kommt, dass der Einfluss des Wetters auf die Strecke groß ist. Ein Starkregen kann gerne mal eine Schotterpassage zur Geröllhalde umbauen, kurz vor Dijon wurde eine Passage vom festen Lehmbelag zu einer Erdnussbutter-artigen Konsistenz, die Bremsbeläge fraß und schalten zur Glücksache machte. Liebe Grüße in die US of A, das gibt’s nicht nur beim Unbound.

Die Herangehensweise an ein solches Event ist sehr unterschiedlich, einige genießen die Natur, die Wege und die sich bietenden Ausblicke, andere bewegen sich in ihrem ganz eigenen kleinen Tunnel, der selektive Aus- und Einblicke zulässt und die eigene Leistungsfähigkeit auf den Prüfstand stellen möchte. Während für einige Starter*innen die Streckenlänge und Beschaffenheit sowie das Zeitfenster die generelle Herausforderung definierten, so gab es natürlich auch Teilnehmer*innen, die in der Geschwindigkeit ihren Reiz sehen und deren Anspruch es war, die 860 Kilometer in einer möglichst kurzen Zeit zu absolvieren. Und so wurde aus einem großen, geplanten Abenteuer eine Vielzahl von ganz persönlichen Herausforderungen und Erlebnissen, je nach eigenem Trainingsstand und nach Verfassung.

Bei einem Long-Distance-Abenteuer wie The Grain treffen unterschiedliche Fahrer*innen zu unterschiedlichen Zeiten auf unterschiedliche Bedingungen, das ist ja Teil des Konzepts. Während einige mit Zelt oder Biwak-Sack die Nacht in der Natur oder am Rand von Kleinstädten verbrachten, gönnten sich andere eine Pension oder eine Airbnb-Wohnung. Es wäre unsinnig zu glauben, dass ein System besser ist. Hier spielen Punkte wie Gepäck und Aufbruchzeit ebenso eine Rolle wie die Qualität des Schlafs. Oder man geht all und plant 22 Stunden Fahrzeit auf 24 Stunden, da kann man sich mal kurz an eine Hauswand lehnen zum Regenerieren.

Bei fast allen von uns spielt sich der Alltag in geregelten Bahnen ab, alles ist organisiert und geregelt. Eine Langstreckenausfahrt über eine solche Distanz, verknüpft mit einem ambitionierten Geläuf, macht deutlich, dass Pläne nett, aber gerne einfach komplett nutzlos sind, wenn alles ganz anders kommt. Es gilt, jederzeit auf alles vorbereitet zu sein und dabei auch bei Rückschlägen immer positiv gestimmt zu bleiben und Zuversicht ganz groß zu schreiben.

Wir haben an den Checkpoints und im Ziel unzählige Geschichten gehört, die alle einen kompletten Artikel wert sind, aber leider fehlt auch uns die Zeit, all diese Geschichten zu schreiben. Wir sind noch immer komplett überwältigt von der grandiosen Community, der positiven und entspannten Atmosphäre, die wir als Begleiter*innen von The Grain erleben durften. Grüße nach Dijon zu den Kollegen von Baroudeur Cycles, dass wir uns im Zeil ein wenig breit machen durften. Und ebenfalls Grüße an Bernhard Schaupp und das Rheinland-Pfälzische Konsulat in Dijon für die Gastfreundschaft. Wir freuen uns darauf, 2027 wieder gemeinsam The Grain in Dijon zu feiern.

Aus der Sicht von Schicke Mütze hat es Till, der mit Jonas zusammen die Reise absolviert hat, sehr gut ausgedrückt: es ist für uns ein Privileg, als Düsseldorfer Radladen bei einer solchen Veranstaltung dabei zu sein. Danke dafür, Danke an alle, die The Grain möglich gemacht haben, ob als Fahrer*innen, Helfer*innen, Sponsoren, Supporter oder in einer anderen Form.

Zahlreiche Bilder, demnächst die Option, ein wunderschönes Jersey zu bestellen sowie schon jetzt die Möglichkeit, sich zum Early-Bird-Tarif für 2027 anzumelden, gibt's auf der Website zum Event: www.thegrain.cc/de

Wir sehen uns 2027.

Ride on

Carsten

 

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