Süßer 500 Glocken nie klangen – #makecrossgreatagain

2021 war bisher für uns in der Mütze kein Jahr mit großem Spaß, die Nachwehen unseres Umzugs werden uns noch ein Weilchen beschäftigen. Mittlerweile sind wir bekanntlich in den richtigen Räumlichkeiten auf der Oststr. 119 im Hinterhaus angekommen, der Laden ist auf, unsere Besucher*innen sind vom Drinnen begeistert, auch wenn das Draußen noch aussieht wie kurz nach dem Krieg. Wer so auf die Zwölf bekommt wie wir in diesem Jahr, ist immer froh, den Blick auf das Schöne wenden zu können. Daher noch mal ein kleiner Blick zurück auf zwei Wochenenden im Herbst, die im Rahmen von Wahoos Rival-Cross-Serie nicht nur deutsche Cyclocross-Fans begeisterten. Wir durften auf einem der schönsten Plätze in Düsseldorf, der Grafenberger Rennbahn, als Mitverantwortliche dabei sein, am Wochenende danach waren wir im Olympiapark in München als Gast vor Ort.

Die ersten Kontakte zum Thema Cyclocross in Düsseldorf hatten wir bereits im Dezember 2018, damals kam man mit der Idee einer Düsseldorfer Ausgabe des NRW-Cross-Cups auf uns zu. Zu der Zeit konnten wir noch nicht ahnen, welche Flughöhe eine solche Veranstaltung bekommen kann. Wenn man auf das Thema Cyclocross in Deutschland schaut, so muss man leider feststellen, dass das ehrenamtliche Engagement einzelner Vereine und Personen wie in München mit den Supercross-Veranstaltungen, Hamburg mit dem Engagement rund um das Cyclocross-Land, die Off-Road-Serie rund um Berlin, Kleinmachnow, die NRW-Cross-Cup Serie sowie die Guerilla-F*U*Q*R*S aus Freiburg und Basel den Sport am Leben erhalten, es aber wenig gibt, das über den Kreis der Eingeweihten hinausgeht und Strahlwirkung für den tollen Sport hat.

Während unsere Nachbarn in Belgien Volksfeste rund um die 33 mm breiten Stollenreifen feiern, finden hier spannende Rennen leider ohne nennenswerte Zuschauerbeteiligung statt. In Zeiten, in denen Gravel boomt und schnelle Off-Road-Rennen auf 2,5 bis 3 km lange Rundstrecken perfekt sind, um Zuschauer permanent am Geschehen teilhaben zu lassen, eigentlich merkwürdig. Allerdings steht man oft vor einigen Herausforderungen, entsprechende Infrastruktur und unbefestigtes Terrain, dass auch mal ein paar niedergemetzelte Grasflächen vertragen kann, unter einen Hut zu bringen. Nix, was man mal eben aus dem Boden stampft, vor allem nicht, wenn das lokale Grünflächenamt auch mitreden soll oder will.

Uns war von Anfang an wichtig, für die Düsseldorfer Veranstaltung einen Ort zu finden, der viele Möglichkeiten für eine kreative Streckenführung, parallel aber auch ein Drumherum bietet, das Zuschauer zufrieden stellt – wenn nicht gar begeistert. Als vom Sportamt der Stadt Düsseldorf seinerzeit neben dem Löricker Schwimmbad die Grafenberger Rennbahn als Option ins Spiel kam, wurden wir hellhörig. Und nach einer Tour auf der Ladefläche eines Golfcarts über das Gelände und die Jagdbahn stand unser Favorit fest. Ein tolles Gelände mit vielen Streckenoptionen, dazu weitreichende Tribünenanlagen, Platz für Foodtrucks, Bühnen und allem, was Visionären in den Sinn kommt, wenn man eine solche Idee mal etwas konsequenter nach vorne denkt.

Foto: Volker Banken

Jedoch folgte die Ernüchterung auf dem Fuß: sowohl Budget als auch die Rahmenbedingungen inklusive Renaturisierungskosten waren als kleine Independent-Veranstaltung nicht umsetzbar, vor allem nicht, wenn man wie wir realisieren wollte, dass Zuschauer keinen Eintritt zahlen müssen. Somit mussten wir 2019 unser Vorhaben eines gemeinsam mit dem Cycling Club Düsseldorf organisierten Cross-Rennens auf Eis legen und auf bessere Zeiten hoffen. Doch die Idee stand im Raum, 2020 folgten neue positive Gespräche mit Verantwortlichen der Rennbahn, um das Format umzusetzen. Und dann kam Corona.

Aber Bange machen ist nicht, wir hatten Geduld und noch mehr Zuversicht, dass irgendwann alles wieder weiter geht. Als wir im Frühjahr 2021 im Team mit dem Cycling Club Düsseldorf und DestinationX mit den Vorbereitungen für Rund um die Kö starteten, schwang auch immer die Planung unserer Cross-Idee mit, die auf den Namen Querfeldrhein getauft wurde. Einen Anteil daran hatten auch die Pläne von Ingo Urban von Wahoo, der eine deutsche Cyclocross-Serie unter dem Namen Rival Cross etablieren wollte und uns fragte, ob Düsseldorf nicht neben den Münchner Kollegen vom Supercross einsteigen möchte.

Foto: Mr Pinko (Stefan Rachow)

Im Laufe des Sommers zeigte sich, dass eine Umsetzung eines Cross-Rennens im Herbst nicht komplett illusorisch war, ansteigende Impfquoten und seriöse Hygienekonzepte machten Hoffnung, das zweitägige Rennprogramm samt Side-Events realisieren zu können. Und so kam es, dass teilweise parallel zu Rund um die Kö die Planungen für das Cross-Wochenende in Grafenberg liefen und wir uns mit einem nahtlosen Übergang vom Kö-Rennen zum Rival-Cross beglückten. Trotzdem: Angesichts Corona und aller damit verbundenen Eventualitäten hätte man den Zeitplan für eine etablierte Veranstaltungsserie ambitioniert genannt, für eine Debüt-Veranstaltung wirkte er schon leicht absurd.

In solchen Momenten hilft es zwar, Ruhe zu bewahren, einfach weiter zu machen und gute Öffentlichkeitsarbeit abzuliefern, aber die Angst, ein Rennen ohne Sportler zu veranstalten, schwingt mit. Dass wir schließlich mehr als 400 Teilnehmer*innen innerhalb von zwei Wochen gewinnen konnten, war das erste kleine Wunder von Düsseldorf. Ein Name wie Heinrich Haussler, noch wenigen Wochen zuvor 10. bei Paris-Roubaix, auf der Starterliste ließ uns an einen Scherz glauben, aber ein Anruf bei Heinrich bestätigte, dass er Lust hatte zu kommen. Genau wie Marcel Meisen, Deutschlands amtierender 6-facher Cross-Meister. Doch nicht nur die Namen zählten, sondern uns freute es, dass die Kinderrennen, die Jedermann/Frau-Rennen, unser Nightride und alle anderen Rennen täglich steigende Starterzahlen verzeichnen konnten.

Auf der Zielgeraden nahm alles richtig Fahrt auf, einige Rennen waren ausgebucht, das Interesse der Medien kam hinzu und der Wetterbericht versprach nach Regentagen zum Wochenende immer besseres Wetter. Bereits am Freitag beim Aufbau kam die Sonne durch, das Wohlfühlprogramm begann angesichts der positiven Worte der Aussteller und Helfer vor Ort.

Foto: Mr Pinko (Stefan Rachow)

Was folgte waren zwei wirklich goldene Herbsttage mit einer einzigartigen Atmosphäre, spannenden Rennen, unglaublichen Momenten und guter Laune bis zum Abwinken. Von den Kinderrennen über Jedermänner/Frauen bis zu den Profis gab es Komplimente für Orga, Streckenbau, Location, Aussteller, Besucher und Wetter. Unser Nightride zum SEED&GREET von Roland Schüren war eine runde Sache, mit 40 Teilnehmer*innen im Dunkeln über Stock, Stein und Schotter zu rollen machte Spaß.

Alle Fotos in dieser Galerie: Mr Pinko (Stefan Rachow)

Kritik und Anregungen gab es natürlich auch, wir haben als Orgateam in den zwei Tagen viel gelernt und werden die angesprochenen Punkte in 2022 berücksichtigen. Auch wenn wir uns über die gelungene Premiere freuen, ist es doch beruhigend, dass wir Luft nach oben haben, um in den nächsten Jahren besser zu werden. Die Planungen haben bereits begonnen.

Foto: Mr Pinko (Stephan Rachow)

Querfeldrhein / Rival Cross war sowohl von der Bedeutung als auch vom Aufwand sicherlich die größte Veranstaltung, bei der wir mit der Mütze beteiligt waren. Wir freuen uns Teil eines großen Teams gewesen zu sein, das diese zwei Tage erdacht und mit Leben gefüllt hat. Wer nicht vor Ort war, konnte die Eliterennen sowohl der Männer als auch der Frauen (!) im Livestream verfolgen, allein dies ein Wahnsinnsaufwand und ein Beweis dafür, wie ernst es Wahoo mit dem Invest in die Zukunft des Cyclocross-Sport meint. Wir sagen all unseren Partnern aus dem Mütze-Kosmos Danke, die uns unterstützt haben, sei es als Sponsor mit finanziellen Mitteln oder mit Preisen. Er wird spannend, sowohl unsere Veranstaltung als auch die gesamte Serie wachsen zu sehen. Es gab bereits jetzt enorm viele Ankündigungen von Marken und lokalen Machern, im nächsten Jahr dabei sein zu wollen. Unsere Vision, innerhalb von fünf Jahren zumindest ein Europacup-Rennen nach Düsseldorf zu holen, ist sicherlich ein ambitioniertes, aber auch realistisches Ziel.

Ein Besuch bei den Kollegen vom Supercross in München am Wochenende nach Querfeldrhein bot ausreichend Inspiration und zeigte, wo Netzwerken und Austausch beide Veranstaltungen profitieren lassen. Es wird darum gehen, zukünftig alle Rennen der Rival Cross Reihe so zu positionieren, dass sich die Stärken der lokalen Macher auch auf die Serie auswirken und sich alle Beteiligten frei von Konkurrenzdenken gegenseitig stärken.

Der Münchner Olympiapark ist von den Streckenbauoptionen bedingt durch mehr natürliche Anstiege und Abfahrten abwechslungsreicher als die Grafenberger Rennbahn, aber wir sind sicher, dass wir durch kreative Lösungen auch in Düsseldorf noch mehr aus den Gegebenheiten holen können. Hier ist sicherlich ein größeres Budget nötig, um weitere Ideen umzusetzen, wir werden uns Mühe geben, dies dank weiterer Partner zu akquirieren.

Alle Fotos in dieser Galerie: Volker Banken

Wir danken allen, die mit ihrem Engagement und harter Arbeit geholfen haben, dass der Auftakt der Rival Cross – Serie nach den Veranstaltungen in Düsseldorf und München als voller Erfolg gewertet werden kann. Und wir freuen uns ganz besonders über das ausschließliche positive Feedback der zahlreichen Zuschauer vor Ort, knapp 6000 Besucher*innen an zwei Tagen sprechen eine eindeutige Sprache. Ab jetzt geht es um Querfeldrhein / Rival Cross 2022 und wir freuen wir uns drauf, im Team mit Wahoo, DestinationX, dem Cycling Club Düsseldorf und allen bisherigen und zukünftigen Partnern an unserer Düsseldorfer Ausgabe und an der Serie zu arbeiten und den Kollegen an den anderen noch folgenden Veranstaltungsorten dort zu helfen, wo wir helfen können.

Wir denken, es ist okay, wenn wir sagen: #crossisback

Alle Bilder ohne explizit andere Namensnennung: Kerstin Kortekamp / Schicke Mütze