Stutenbeiken. Rennradausfahrten nur für Frauen.

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Was bisher geschah…

2013 versuchten wir zum ersten Mal im Rahmen der Klassikerausfahrt möglichst viele Frauen für die Women’s 100 von Rapha zu mobilisieren. Dem Ruf folgten die üblichen drei Verdächtigen, begleitet von ca. 30 freundlichen Männern, die bereit waren, in die Frauenwertung mit aufgenommen zu werden, was wir aber dankend ablehnten. In 2014 sah die Frauenquote schon anders aus: 16 bestens gelaunte Mädels begleitet von in etwa ebenso vielen Männern. Nun lag es eigentlich auf der Hand, dass wir unbedingt eine regelmäßige Rennrad-Runde – nur für Frauen – anbieten müssten. Wir haben mit vielen Frauen gesprochen, denen die Strecken, die ihre Männer fahren, zu lang sind. Oder denen die Männer einfach zu schnell fahren. Oder die den Konkurrenzkampf innerhalb von Männergruppen nicht mögen. Als mit Susi eine zweite Frau zu unserem Team stieß, die sich gern mit einbringen wollte, spannen wir die Ideen weiter aus und trafen die Entscheidung: Wir machen das zusammen.

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Im Prinzip haben Susi und ich zwar genauso viel Spaß, zusammen mit unseren Kumpels zu fahren, lassen uns auch mal gerne von ihnen durch den Wind ziehen. Eigentlich empfinden wir uns nicht als so “typisch Frau”, stehen nicht auf rosa und wollen unsere Räder unbedingt selbst aufbauen und reparieren, solange wir das hinbekommen. Aber abseits von „im Prinzip“ und „eigentlich“ finden wir es auch wunderbar, etwas mit und für unsere Geschlechtsgenossinnen zu tun. Weil es immer noch viel mehr Männer als Frauen gibt, die Rennrad fahren. Und weil das absoluter Quatsch ist. Finden wir.

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Radfahren war für frühere Generationen von Frauen ein Weg der Befreiung, und das Beispiel des afghanischen Frauenrennradteams zeigt, dass es diese Bedeutung nicht verloren hat.

„Moment!“ mag man da einwenden, „Ihr führt Rennradfahren und Radfahren als Faktor bei der Emanzipation von Frauen an und nennt eure Ausfahrten dann „Stutenbeiken“?“

Okay, okay… ich sehe, da ist ein bisschen Aufklärung notwendig, warum wir unser Kind so tauften.

Zum ersten Wortteil: Stuten

Im englischsprachigen Raum ist es völlig normal, sein Fahrrad zu reiten („I want to ride my bicycle“). Der Bezug zum Pferd ist daher quasi naturgegeben, „Pferd“, „Stute“, „Hengst“, „Wallach“ sind alles Synonyme für ein Fahrrad (vgl. auch „Stahlross“). Durch die Wahl des Synonyms „Stute“ wird lediglich die Bedeutung der Weiblichkeit aufgenommen. (Für alle, die es jetzt immer noch nicht verstanden haben: Wir meinen die Räder und nicht uns.)

Zum zweiten Teil des Wortes: Beiken

Hierbei handelt es sich um ein Kunstwort. Der Diphtong (deutsch: „Zweilaut“ , hier: „ei“) potenziert die Wirkung des englischen Begriffs („to bike“) mit deutscher Konjugation (vgl. „uploaden“) als Denglish in Höchstform. Erst recht in Verbindung mit dem ersten Wortteil „Stuten“: hier auf der Ebene der Wortbedeutung (Semantik), im zweiten Wortteil auf der Ebene des Wortaufbaus (Syntax). (Für alle, die es jetzt immer noch nicht verstanden haben: „Stutenbeiken“ heißt: (Renn-)Radfahren für Frauen“.

Phonetische Ähnlichkeiten zu bekannten Begriffen wie Stutenbissigkeit oder so sind natürlich beabsichtigt und sollen zur allgemeinen Erheiterung besonders über die eigenen Unzulänglichkeiten beitragen.

Nach diesem kleinen Ausflug in die Wortspielerei jetzt aber zum Wesentlichen – dem Charakter des Stutenbeiken.

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Wir fahren in einer Gruppe, das heißt: zusammen fahren, zusammen ankommen. Die Starken unterstützen die Schwächeren, indem sie Windschatten, Motivation und wertvolle Tipps spenden. Keine hat es nötig, zu beweisen, wie toll sie radfahren kann, keine muss unbedingt am schnellsten auf dem Berg oder am Ortsschild zu sein. Bergauf macht es allerdings auch schon mal Sinn, den eigenen Rhythmus zu finden – egal ob Bergziege oder nicht – und deshalb zieht sich das Feld hier und da auch auseinander. Oben wird gewartet, nicht nur solange, bis die Letzte endlich angekommen ist und „Weiter geht’s!“, sondern solange, bis die Letzte sich auch ein wenig erholen konnte und in Ruhe an der Wasserflasche genippelt hat. Immer im Sinn: Dem Tempo der Gesamtgruppe ist es zuträglicher, das schwächste Glied der Kette zu stärken als es kaputt zu fahren, so dass es an jedem kommenden Anstieg noch langsamer wird. Bislang hat das, finden wir, immer gut geklappt. Ob das allein daran liegt, dass hier die Frauen unter sich bleiben? Keine Ahnung. Aber bestimmt hat es auch etwas damit zu tun. Nichts desto trotz kann es natürlich auch vorkommen, dass jemand die Strecke oder das Tempo falsch eingeschätzt hat. Dann muss man unterwegs halt eine individuelle Lösung finden. Aber wir lassen niemanden einfach so zurück.

Stutenbeiken sind auch keine klassischen Trainingsrunden. Es sind – hier kommt wieder Denglish – „Social Rides“. Im Fall von Männern würde man auch „Gentlemen’s Ride“ sagen. „Ladies’ Ride“ drückt es einfach nicht entsprechend aus. Es geht um das gemeinsame Tun und Erleben, um gegenseitige Rücksicht und um Kommunikation. Ja, es soll gequatscht werden und das Tempo muss dafür genug Luft lassen. So findet sich dann sogar das eine oder andere Trainingsgespann, wenn man nämlich merkt, dass jemand anderes aus der Gruppe gut zum eigenen Tempo, Fahrstil und zum Kopf passt. Und die sollen sich gern zum Training verabreden, in dem man Belastungs- und Erholungszeiten besser planen und aufbauen kann. Aber Training, Ziele, Leistung und Erfolge sind halt nicht alles. Wir sind glücklich, wenn es Spaß macht und man die Sache an sich genießen kann.

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Deshalb starten wir unsere Ausfahrten auch gemütlich mit Kaffee und Stuten, Kuchen oder anderen Erfrischungsgetränken und schließen sie gern genauso ab.

Wir fahren so zwischen 40 und 60 km. Klar, man könnte auch länger fahren, und viele Frauen fahren regelmäßig längere Touren, aber wir wollen ja gerade die mit ins Boot holen, die sich sonst nicht trauen. Dass viele Frauen eher dazu neigen, sich selbst zu unterschätzen, ist keine neue Erkenntnis. Wir freuen uns, wenn wir mit dazu beitragen können, dass diese Frauen nach ein paar Ausritten mit uns selbstbewusster auch in anderen Gruppen mitfahren. Im Frühjahr bleiben wir in flachen Gefilden, in denen lediglich Wind und Regen mal böse mitspielen können, im Sommer suchen wir Strecken mit Hügeln, gern etwas kürzer aber landschaftlich umso schöner.

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Zum Abschluss der Sommersaison haben wir uns nun überlegt, dass wir weitermachen werden, also auch von Oktober bis Februar jeden dritten Sonntag des Monats zum Stutenbeiken aufrufen werden, allerdings mit einem abgespeckten „Rahmenprogramm“. Verständlicherweise wollen die meisten an kälteren Tagen nach der körperlichen Anstrengung direkt nach Hause unter die warme Dusche. Da schließen wir uns selbst auch ein. Deshalb wird es einen Treffpunkt am Rhein geben, von dem aus wir dann auch zackig auf die Strecke gehen. Zum Abschied wird einfach freundlich gewunken und “Bis zum nächsten Mal!” gerufen.

Wir werden zu jedem Termin eine Facebook-Veranstaltung erstellen. Hier für alle Nicht-Facebook-Nutzer aber auch schon mal die Termine im Überblick:

18. Oktober 2015,
15. November 2015
20. Dezember 2015
17. Januar 2016
21. Februar 2016

Achtung Änderung! Am 21. Februar findet kein Stutenbeiken statt, weil wir an diesem Tag eine andere Veranstaltung haben . Also kein Treffen an den Rheinterrassen, sondern Start zum BROOKS Ride ab Schicke Mütze, Talstraße. Wir sehen uns!

Treffpunkt und Abfahrt:
jeweils 11:00 Uhr an den Rheinterrassen, Joseph-Beuys-Ufer 33, 40479 Düsseldorf

Strecken:
flach, ca. 40-60 km

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