Rund um die Kö 2018 – Die Wasserschlacht von Düsseldorf

Was für ein Tag. Nass, nasser, 23. September. Der kalendarische Herbstbeginn hat dann mal direkt gezeigt, wo der Hammer hängt: gefühlt mehr Regen an einem Tag als im gesamten Sommer 2018. Aber so ist das bei den Outdoor-Veranstaltungen, man kann planen, organisieren und bestens vorbereiten, der Wettergott lacht einmal laut und macht dann was er will. Erstaunlich war jedoch, dass die Stimmung bei Sportlern und Zuschauern selbst unter Dauerregen kaum gelitten hat, es waren einfach nur weniger da. Wobei sich die Anzahl an Wasserdichten nicht vor den Besucherzahlen der “Rund um die Kö”-Ausgaben vor 2016 verstecken muss, damals oft bei strahlendem Sonnenschein im Juli.

Frischzellenkur fürs Traditionsrennen

Eine traditionsreiche Veranstaltung auf der Düsseldorfer Königsallee zum 50. Geburtstag zu unterstützen, ist eine große Ehre. Auch dann, wenn es erstmal gilt, einige Schichten Staub weg zu pusten und eine ordentliche Portion “Das-haben-wir-schon-immer-so-gemacht” in Frage zu stellen. Wir lieben den Radsport vielleicht aus einem anderen Blickwinkel als viele ehemalige Profis und aktive Funktionäre, aber wir lieben ihn. Unsere Art, Veranstaltungen zu organisieren und dabei viel Wert auf Atmosphäre und gute und individuelle Musik zu legen, erscheint Einigen vielleicht als überflüssiger Schnickschnack. Eine Website zum Kö-Rennen allerdings wohl auch.

Dies ist vor allem deshalb schräg, weil die Grundidee einfach großartig ist: ein Radsportevent auf einer der bekanntesten Einkaufsstraßen Deutschlands. Radrennen vor Dior und Gucci. Radsport auf einem Parkplatz-gesäumten Boulevard, der als Autolaufsteg täglich unzählige PS-Boliden anzieht, die sich aufgrund der Verkehrsdichte weitaus langsamer bewegen als die meisten Rennradfahrer. Ein Tag im Jahr die Verhältnisse umkehren ist zwar kein Mobilitätswandel, aber ein charmantes, weil augenzinkerndes Signal. Unser Bürgermeister wünscht sich mehr Fahrrad auf der Kö, mehr als bei “Rund um die Kö” geht kaum. Vor allem machen wir das so sexy, dass demnächst die Jungs mit den Kameras nur noch Rennradelnde fotografieren wollen. Copenhagen Cycle Chic in Klein-Paris.

Die Kö im Dauerregen

Ein knietiefer Knicks allen Sportlern, die sich am Sintflut-Tag der Herausforderung gestellt haben. Angefangen mit den Jugendklassen am Morgen über die zahlreichen “Petit Départ” – Finalisten in den zwei Entscheidungsrennen, alle Fans des starren Gangs, die Derny-Piloten, Senioren und die Elite-Fahrer/innen. Fast alle sahen bereits am Start wie Teilnehmer eines absurden Triathlons aus, bei dem man vorm eigentlichen Wettbewerb den Kö-Graben in Radbekleidung schwimmend durchqueren muss.

Die Rennstrecke gilt bei bestem Wetter als kompliziert und anstrengend, im komplett überschwemmten Zustand war die Grenze zwischen Grip, Drift und Wegrutschen des Vorderrads in den engen 90° Kurven hauchdünn. So war auch der ein oder andere Sturz zu verzeichnen, die Blessuren waren glücklicherweise überschaubar und wurden von den Betroffenen mit einem Schulterzucken hingenommen. Von den Kids des Petit Départ genau wie von den harten Knochen der Fixed-Szene. Tough Cookies, diese Radfahrer.

Den Non-Konformisten unter den Radsportlern haben wir vor zwei Jahren mit dem “This is not Pottcrit”-Criterium die Tür auf die Kö geöffnet. Damals mit Erfolg und der Hilfe und Unterstützung von Rad Race, FixedPott und der U-Lock-Justice-Crew. In diesem Jahr nun haben unsere Düsseldorfer Kollegen von LifeIsARide, nachdem sie Pfingsten im Rahmen der Cologne Classic die Nachbarn mit einem Crit beglückt haben, ihr erstes Heimspiel ausgetragen und gleich alles richtig gemacht. Die Orga hat von den Teilnehmern aus ganz Europa ordentlich Blumen bekommen, ein Kompliment, dass nicht nur die LifeIsARide-Crew betrifft, sondern am Ende alle beinhaltet, die vor und hinter den Kulissen geackert haben. Von den Ordnern an der Strecke, den Ehrenamtlichen bei der Anmeldung über die Ersthelfer bis zu den Helfern bei den Sportlerduschen. Von den DJs auf der Bühne bis zu den Moderatoren an der Strecke. Und natürlich für alle Beteiligten der SG Radschläger, Sascha Grünewald, Ralf Dahmen und ihr Team.

Luft nach oben hat sicherlich die Abordnung des BDR. Hier scheinen sich Kommunikationsmuster etabliert zu haben, mit denen man im normalen Leben selten konfrontiert wird. Ich gebe gerne zu, unter dem deutschen Label “Wettkampfausschuss” zu arbeiten würde mir auch schwer fallen, aber das muss oder kann man halt nur mit Humor nehmen. Falls mal jemand gucken möchte, wie es aussieht, wenn irgendwo ne dicke Staubschicht drauf liegt: ein Blick auf die Website www.rad-net.de reicht aus. Danach bitte an Rudolf Scharping denken und die Querverbindung zur Beschreibung “Dynamischer Erneuerer” suchen.

Ein Blick nach vorn

Doch wir in Düsseldorf sind ja voll modern. Bleibt also zu hoffen, dass die Verantwortlichen der Stadt Düsseldorf erkennen, welches Potential im Kö-Rennen schlummert. Und die Muße haben, “Rund um die Kö 2.0” behutsam und sanft mit den richtigen Partnern wieder auf den Stellenwert und das Niveau der erfolgreichsten Jahre zu bringen, ohne den eigentlichen Charakter zu verlieren oder eine komplett durchkommerzialisierte, aber seelenlose Nummer daraus zu basteln.

In den sozialen Netzwerken kam der Wunsch nach einer zugehörigen Jedermann-Veranstaltung auf. Sicherlich eine spannende Ergänzung der unterschiedlichen Rennen. Allerdings muss abgewägt werden, wie eine solche Rennveranstaltung sinnvoll eingebaut werden kann, weil die übliche Strecke der Königsallee mit der Länge von 1100 Metern und ihrer 4eckigen Form hierfür nicht oder nur extrem begrenzt tauglich ist. Es gilt über Erweiterungen nachzudenken, zumindest bis zum Corneliusplatz liegt seit dessen Neugestaltung auf der Hand.

Kö Rennen 2018
Foto: Philipp Hympendahl

Doch auch andere Ideen sind willkommen, kreative neue Rennformate abseits der üblichen Schemata gibt es viele. Radsport erfindet sich gerade von innen neu, weil er von einer neuen Generation gelebt wird. Abseits von Schubladen, machmal abseits von Vereinen und gerne auch abseits von Konventionen. Dies muss als Anregung und Motivation verstanden werden, nicht als Bedrohung der traditionellen Strukturen, so wie es in manchen Fällen scheint.

Wir haben in den vier Wochen unseres ehrenamtlichen Engagements viele Erfahrungen gesammelt. Großartig war die Unterstützung, die wir erfahren haben. Das Interesse an “Rund um die Kö” ist vorhanden, Aussteller und Sponsoren wissen um das Potential, was in der Veranstaltung steckt und sind an einer Zusammenarbeit interessiert. Wir haben uns Mühe gegeben, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen und danken allen, die mit ihrer Hilfe und Arbeit “Rund um die Kö 2018” in seiner Form ermöglicht haben:

Stadtsparkasse Düsseldorf + Blackbear Real Estate + Kern Haus + Art Invest Real Estate

G31 – Creative Consulting, Design & Communication + Merz Concept Tontechnik + Druckbar

ABUS Cycling + Biehler Sports + Fizik + Genesis Bikes + Grofa Action Sports + HJC Sports + listnride + MUC-Off + Sports Nut GmbH + Wahoo Fitness

Sounds: Michael Scheibenreiter + Harmonious Thelonious + Penelope

Danke an Dietmar Wolf für seine Schubser, Klaudia Zepuntke für Engagement und ihre strahlend gute Laune, Danke an alle, die Flyer verteilt und Poster gehängt haben und an alle, die da waren, dem Regen getrotzt und viel gelacht und gelitten haben, auf und neben der Strecke.

Ganz besonderer Dank gilt dem Düsseldorfer Fotografen und Radsportkenner Philipp Hympendahl. Er ist mit der Kamera bei allen großen Radsportevents dabei, seine großformatigen Bilder waren Teil der großen Tour de France-Ausstellung im NRW-Forum und schmücken Reportagen des deutschen Tour Magazins ebenso wie Ausgaben der englischen Kult-Magazins Rouleur. Philipp hat uns seine “Rund um die Kö 2018” – Bilder zur Verfügung gestellt.

Und Kerstin Kortekamp war auch mit der Kamera unterwegs und hat die Kö in allen Facetten, mit allen Situationen, Typen, Königinnen und Helden der Wasserschlacht abgelichtet. Viel Spaß mit den Bildern wünscht:

Die Mütze

Philipp Hympendahl “Rund um die Kö 2018”

Kerstin Kortekamp “Rund um die Kö 2018”