Kö 2021 – Radsportspektakel passt schon, das können wir so stehen lassen

Wenn man mit nackten Zahlen posen will, so könnte man das angesichts der 2021er Ausgabe von Rund um die Kö ganz gut machen, die Zuschauerzahlen liegen sicherlich über allem, was das Kö-Rennen als Einzelveranstaltung in den letzten 15 Jahren so erlebt hat. Was die Anzahl an Teilnehmer*innen und Rennformate angeht, dürften wir ebenfalls ziemlich weit vorne sein. Aber entscheidend für einen guten Tag sind am Ende noch immer Inhalte. Und die haben in diesem ersten Jahr unter der sportlichen Leitung des Cycling Club Düsseldorf sehr gut gepasst. Angesichts Corona sicherlich ein bisschen merkwürdig. Aber vielleicht auch nicht.

Es wird spannend zu sehen sein, wie wir mit einigen Jahren Abstand auf diese Zeiten zurückblicken. Eine Mischung aus Lockerung der Auflagen, unsicherem Austesten, was möglich ist und der ewigen Angst, als Event für eine weitere erneute Ausbreitung der Pandemie verantwortlich zu sein, treibt sicherlich gerade unzählige Veranstalter um. Auf der einen Seite die gebotene Zurückhaltung, auf der anderen Seite die Lust auf einen unbeschwerten Tag mit großes Gesellschaft. Die Verantwortung, die Gastgeber derzeit tragen müssen, geht weit über Organisation und Entertainment hinaus und beinhaltet eine ordentliche Portion Verantwortung. Daher haben wir im Team #königsallez hinter den Kulissen lange und kontrovers diskutiert, ob Rund um die Kö in der Form, wie wir es machen wollen, auch machbar ist. Und erst vor einigen Wochen die endgültige Entscheidung getroffen, dass wir es zumindest versuchen wollen.

Wetter gut – Vieles gut

Hygienemaßnahmen haben sicherlich in der 50jährigen Geschichte von Rund um die Kö zum ersten Mal eine Rolle gespielt. Aber auf gutes Wetter haben alle Veranstalter immer gehofft. Wir wurden mit einem wunderbaren Spätsommertag verwöhnt, perfekte Temperaturen und ordentlich Sonne bis zum Abend. Und auch die Hygienemaßnahmen haben perfekt gepasst, weil sie uns die Kontrolle gaben, ohne Zuschauer*innen zu sehr zu limitieren. Mittags mussten tatsächlich die Schleusen geschlossen werden, weil wir 2500 Gäste auf dem bespielten Bereich der Kö hatten und am Ende des Tages stand mit mehr als 17000 Besucher*innen eine beeindruckende Zahl auf den summierten Tickern der Security.

Das dennoch zeitweise die Brücke auf der Steinstraße nur spärlich besucht wirkte, hatte mehrere Gründe. Ein maßgeblicher war die Entscheidung, nahezu den gesamten nördlichen Teil der Kö komplett zu bespielen und alle Stände nicht wie bisher auf der Steinstraße, sondern entlang der Kö auszurichten. Freiflächen aka Parkplätze wurden mit unzähligen Liegestühlen bestückt, angesichts der Sonne für viele der perfekte Platz, um mit einem Drink in der Hand dem sportlichen Geschehen auf der Rennstrecke zu folgen. Eventuell ein generelles Erfolgsmodell für die Kö, um Sehen und gesehen werden mit Rennambitionen in Einklang zu bringen, die Agentur Destination X hilft gerne bei der professionellen Umsetzung.

Die Rennen

Morgens ab 09:30 Uhr rollten die acht Vorläufe der Offiziellen Düsseldorfer Stadtmeisterschaften los, dem lokalen Format, dass schon beim zweiten Auftritt auf der Kö als Klassiker bezeichnet werden darf. Parallel fand sich an unserem Stand ein illustre Anzahl Frauen ein, die den Aufrufen Raphas, der Kölner Cyclits und der Mütze zur #womens100 gefolgt waren. Während auf der einen Seite die Göttinnen der Wirtschaftswege in nach Tempi geordneten Gruppetti von der Königsallee rollten, machten sich am gegenüberliegenden Start die ersten minderjährigen Raser*innen bereit und freuten sich über den sonnigen Start und die perfekte Gelegenheit, die neue Sonnenbrille angemessen zu präsentieren.

Los ging es mit den BDR-Jugendrennen für die organisierten Fahrer*innen der Altersklassen U11, U13 und U15, anschließend mit den Pétit Départ Läufen der 9- bis 12jährigen. Das folgende Lastenradrennen wurde um Vorfeld einerseits als Innovation begrüßt, die den Mobilitätswandel dokumentiert, auf der anderen Seite als Lachnummer und Pausenfüller angesehen. Wir freuen uns, dass das Format nach anfänglicher Zurückhaltung ein breites Starterfeld aufweisen konnte, auch Dank des Engagements der Düsseldorfer Kuriere von Rotrunner und einer engagierten Organisation unserer Helfer/Crewmitglieder Volker und Peter. Begeisterte Zuschauer und eine interessierte Presse zeigten, dass Düsseldorf offensichtlich mehr Spaß am Mobilitätswandel hat, als mancher denkt.

Spaß am Mobilitätswandel haben auch alle Kids, die zum ersten Mal auf ein Laufrad steigen. Die kleinsten Nachahmer des Karl von Drais rollten nach 2019 ebenfalls zum zweiten Mal über die Königsallee und sammelten nach spannendem Rennverlauf mit Foto-Finish Applaus, Goldmedaillen und Preise am laufenden Band ein. Ein Besuch auf der wahrscheinlich größten Bühne in der Geschichte des Kö-Rennens inklusive Fotoshooting mit unserem amtierenden OB und begeistertem Radfahrer Stephan Keller wurden von allen Teilnehmer*innen souverän absolviert, am Abend dürften sich viele Träume mit dampfenden Schuhen, quietschenden Reifen und Gummiabrieb auf der Kö beschäftigt haben.

Ebenfalls zum Klassiker der Kö geworden ist mittlerweile das Fixed-Crit der Kollegen von Life is a Ride. Der Clash von Prada und Subkultur passt perfekt in unsere Stadt, die musikalische Umsetzung Dank unseres geliebten Kö-Residents Michael Scheibenreiter rockt da hood. Überhaupt, die Mucke: Musik macht Atmosphäre. Und was Michael den ganzen Tag über mit fantastischer Ruhe gut gelaunt aus den Boxen rollen lässt, dürfte in Deutschland aktuell kein Rennen am Start haben. Leider. Denn auch das ist enorm wichtig, um auch Zuschauer abseits der normalen Radcommunity auf die Straße zu locken.

Mit den spektakulären Finalläufen der Stadtmeisterschaften und des Lastenradrennens folgten am späten Nachmittag zwei absolute Publikumshöhepunkte. Und den Schwung nahm auch der nächste Programmpunkt auf: der Große Preis der KÖ-Königinnen. Als Hobbyrennen ausgeschrieben richtete es sich in erster Linie an all die Frauen, die ohne Lizenz mal Lust auf ein paar flotte Runden auf einer abgesperrten Strecke auf einer der populärsten Straßen des Landes haben. Einige absolvierten dieses flotte Kurzstreckenrennen dann auch, nachdem sie sich am Morgen 100 Kilometer lang warmgefahren haben, Doppelbelastung galore. Wir ziehen die Mützen vor dieser Leistung. Viele Stimmen am Rand der Strecke kündigten an, im nächsten Jahr da auch mitfahren zu wollen, das Starterinnenfeld dürfte ordentlich anwachsen.

Nicht nur die Frauen rasten, auch der Tag. Und somit stand noch das sportliche Highlight des Tages auf dem Programm: das Elite- und Elite-Amateurrennen der Herren. Angesichts der Anfeuerungen, aber auch bedingt durch das namhafte Starterfeld dürfte es eines der schnellsten Rennen auf der Königsallee gewesen sein, Geschwindigkeiten weit jenseits der 60km/h auf den Geraden sollten der Autoposer-Szene die Schamesröte ins Gesicht jagen und deutlich machen, wie albern es in Innenstädten ist, mit Autos Rennen zu fahren. Wahre Heldinnen und Helden fahren Rad. Geblitzt wird man trotzdem.

 

Nach einer letzten Siegerehrung im Flutlicht war der große Spaß vorbei, Stände wurden abgebaut, diverse letzte Biere am kompetent mit den Kollegen von Porno Al Forno besetzen Getränkestand geleert und das Team des Cycling Club Düsseldorfs baute mit weiteren Helfern und Profis alles ab. Von morgens um 05:00 Uhr bis nachts um 00:00 Uhr. Eine grandiose Leistung.

Wer hat’s gemacht

Verantwortlich für den großen Spaß auf und neben der Strecke waren in diesem Jahr mit voller Leidenschaft motiviert bis in die Haarspitzen an vorderster Front das Orga-Team des Cycling Club Düsseldorf unter Leitung von Stephan Hörsken sowie Alexandra Zajonz von der Agentur DestinationX, die unserem hemdsärmligen Hopplahopp die nötige professionelle Struktur verlieh. Angesichts des Kraftakts geht Lob alter Radsport-Recken wie Hans-Josef „Jupp“ Heithorn runter wie Öl. Der Gewinner von 1969 gehörte bereits am frühen Morgen zu den ersten, die angesichts des betriebenen Aufwands Respekt aussprachen und sich von der professionellen Organisation beeindruckt zeigten. Ein Kompliment, dem sich später auch Klaudia Zepuntke, OB Stephan Keller und der Kölner Veranstalter Gino Baudrie anschlossen.

Die SG Radschläger unter Sascha Grünewald organisierte erneut mit Kompetenz und Leidenschaft die Rennen der Pétit Départ-Reihe, Volker Banken und Peter Ritter rockten mit Kerstin das Lastenradrennen, Alex Worgitzki gewohnt souverän das Life-Is-A-Ride-Crit.

Eine La-Ola für unseren Mann an der Strecke, den großartigen Boris Fastring, und seinen kongenialen Partner auf und vor der Bühne, den Capo der „Rund um die Kö“-Ultras, der absoluten Allzweckwaffe beim Kampf fürs Fahrrad, dem Entenfreund und grünen Wolf, dem Sprecher mit dem rollenden RRRR, dem Bezirksbürgermeister Dietmar Wolf. Danke Diddi, das was du den ganzen Tag über raushaust, ist ganz ganz großes Kino.

Im Team mit zahllosen Helfern haben wir alle eine Veranstaltung auf die Kö gestellt, die Sport und Unterhaltung in Einklang gebracht hat. Ziel unseres Impulses und Engagements mit der Mütze vor einigen Jahren war ja, dass mehr Düsseldorfer Vereine sich engagieren und helfen und dem Kö-Rennen wieder die Bedeutung geben, die es auf der Königsallee verdient. Die Schultern werden mehr, auf denen das Rennen und die gesamte Veranstaltung ruhen, auch wenn sich Stephan Hörsken und der CCD im nächsten Jahr garantiert noch über etwas mehr sportliche Unterstützung anderer Vereine freuen. Das Team Dixsept hat in diesem Jahr einen kleinen Anfang gemacht, mehr wird folgen.

Großer Dank gilt natürlich auch allen, deren finanzielle Unterstützung einen solchen Kraftakt möglich machen, unseren Sponsoren und der Stadt Düsseldorf. Das Budget ist ordentlich gestiegen, aber wir sind sicher, jeder hat gesehen, warum. Neben den zusätzlichen Herausforderungen, die angesichts Corona zu bewältigen waren, sind viele Elemente hinzugekommen, die wir auch in der Zeit nach Corona beibehalten möchten. Wir freuen uns auf weitere Zusammenarbeit mit unseren Sponsoren und hoffen mit dieser Veranstaltung weitere Partner gewinnen zu können, die Lust auf Präsenz auf einer Radsportveranstaltung im Herzen von Düsseldorf haben.

Am Sonntag gefehlt, aber sichtbar bei allem dabei ist Mats von G31. Danke für das grandiose Artwork, für eine tolle Mütze und das “auf-den-Punkt”-Design der gesamten Veranstaltung. Uns erreichen schon erste Bilder aus Malle mit der #königsallez-Mütze. Anfragen, was Mütze und Turnbeutel angeht bitte an den Cycling Club Düsseldorf.

Egal, was wir uns ausdenken, egal, wieviel Arbeit wir alle investieren: wenn keine/r kommt, ist alles für die Katz. Daher gilt unser Dank auch allen Zuschauern und Besuchern an der Strecke. Und natürlich den Medien, die geholfen haben, dass unser Format bekannt wird und alle informiert waren.

Gerummst hat es leider auch, gute Besserung an dieser Stelle an Neal von der Radschlägern und unseren Fahrer des Besserschmitt-/Messerschmitt-Kabinenrollers. Die Jungs der Stadtmeisterschaft waren zu schnell unterwegs, eines der dreirädigen Geschosse ist daher in den Kurve mal kurz in die Bande getitscht. Der Fahrer ist wohlauf, alles andere kann man wieder reparieren.

Wir alle haben wieder viel gelernt, auch aus Fehlern, die wir zukünftig vermeiden können. Ein Debüt in dieser Orga-Struktur hat gezeigt, was gehen kann. Wir sind alle sicher, wir werden im nächsten Jahr vieles mit mehr Routine auch für uns entspannter organisieren können. Und somit Zeit gewinnen, um an den Kleinigkeiten zu feilen.

Wir zitieren uns mal selbst, hier aus dem Nachklapp zu Rund um die Kö 2018:

„Ein Blick nach vorn“

„Doch wir in Düsseldorf sind ja voll modern. Bleibt also zu hoffen, dass die Verantwortlichen der Stadt Düsseldorf erkennen, welches Potential im Kö-Rennen schlummert. Und die Muße haben, “Rund um die Kö 2.0” behutsam und sanft mit den richtigen Partnern wieder auf den Stellenwert und das Niveau der erfolgreichsten Jahre zu bringen, ohne den eigentlichen Charakter zu verlieren oder eine komplett durchkommerzialisierte, aber seelenlose Nummer daraus zu basteln.

In den sozialen Netzwerken kam der Wunsch nach einer zugehörigen Jedermann-Veranstaltung auf. Sicherlich eine spannende Ergänzung der unterschiedlichen Rennen. Allerdings muss abgewägt werden, wie eine solche Rennveranstaltung sinnvoll eingebaut werden kann, weil die übliche Strecke der Königsallee mit der Länge von 1100 Metern und ihrer 4eckigen Form hierfür nicht oder nur extrem begrenzt tauglich ist. Es gilt über Erweiterungen nachzudenken, zumindest bis zum Corneliusplatz liegt seit dessen Neugestaltung auf der Hand.“

Okay, Jedermann ist aus den angegebenen Gründen noch immer nicht, aber die Erweiterung bis Corneliusplatz hat‘s gerade gegeben. Vielleicht ist jetzt der Zeitpunkt, um über weitere kleine und größere Entwicklungen nachzudenken. Ein Samstagabendrennen mit Flutlicht verbunden mit Ständen auf der Kö, z.B. bei lange geöffneten Läden könnte eine ganz charmante Nummer werden, die auch dem Einzelhandel Spaß macht. Und am Sonntag zwei Stunden lang eine erweiterte über die Kö hinausgehende Strecke als Jedermannversion anzubieten wäre eine willkommene Aufwertung, verbunden mit einem deutlich größeren Teilnehmerfeld. Kreative Ideen haben wir…

Bildergalerien und Ergenislisten folgen in den nächsten Tagen auf der Website von Rund um die Kö.

Wir machen die Straße wieder frei …

Und da bekanntlich nach dem Rennen vor dem Rennen ist, rollen wir gerade wieder an den Start zu einem weiteren Höhepunkt der Düsseldorfer Radsportlandschaft. Gemeinsam mit dem Cycling Club Düsseldorf und Alexandra Zajonz von DestinationX werden wir den Querfeldeinsport in Düsseldorfer wiederbeleben. Bereits am 23. und 24. Oktober laden wir alle auf die Grafenberger Rennbahn zu Querfeldrhein. Zwei Tage mit verschiedenen Rennformaten, die wir mit unseren Partnern von Wahoo und deren Rival Cross Serie sowie Läufen des NRW Cross Cup gestalten. Für uns als Team eine tolle Gelegenheit, einen der schönsten Düsseldorfer Orte zu bespielen. Wir freuen uns darauf, auch bei dieser Veranstaltung kreativ und konzeptionell mitzuarbeiten, lasst euch überraschen, was wir neben den Rennformaten noch auf die etwas breiteren Reifen stellen.

Es bleibt spannend. WIr sehen uns.