Kinozeit mit der Mütze: Onboard – The Transcontinental Race

Wir freuen uns, am Donnerstag, den 19. März 2020 mal wieder ins Kino laden zu können. Onboard – The Transcontinental Race, ein Film des französischen Regisseurs Antonin Michaud-Soret, über das legendäre Langstreckenrennen. Drei Jahre hat Antonin die Fahrer/innen auf den Rennen quer durch Europa begleitet, unzählige Geschichten vom Straßenrand und beeindruckende Aufnahmen einer wahrlich epischen Rennserie eingefangen. Ein Film für alle Randonneure, Langstreckenliebhaber/innen, Motivationsmonster und Abenteurer.

Immer wieder immer weiter 

Wer an Radrennen denkt, dem fallen zuerst Etappenrennen wie Tour de France oder Giro d’Italia, Eintagesklassiker wie Paris-Roubaix oder die Flandernrundfahrt ein, allesamt Klassiker mit mehr als hundertjähriger Geschichte. Doch auch die Langstrecke hat ihre Legenden, Namen wie Paris-Brest-Paris, Race-Across-America oder London-Edinburgh-London sind Meilensteine für die immer größer werdende Randonneur- oder Ultra-Distance-Gemeinde. Seit vielen Jahren organisiert eine engagierte Brevet- und Radmarathon-Szene in ganz Europa Veranstaltungen, man fährt vorher festgelegte Strecken dank der Hilfe von Karten und Plänen ab, allerdings oft wenig beachtet. Dazu kommen neue Veranstaltungen, Selbstversorger-Rennen, die Aufmerksamkeit bekommen und den Reiz der Langstrecke via Social Media an immer mehr Interessierte transportieren. Ob Tuscany Trail, Silk Road Montain Race, Atlas Montain Race, Grenzsteintrophy oder die Bikingman-Serie, es gibt kaum einen Flecken Erde, der nicht episch durchfahren werden kann.

Das Transcontinental Race ist innerhalb weniger Jahren zu einem der Klassiker der Selbstversorger-Rennszene geworden. 2013 vom Langstreckenfahrer Mike Hall gegründet und mit Herzblut und Wissen organisiert, wurde es zu einem Anlaufpunkt für die anfangs kleine und familiäre Szene. Mike Hall, selbst Gewinner des  World Cycle Race, der Tour Divide und des Trans Am Bike Race, wurde 2017 in Australien beim Indian Pacific Wheel Race 500 Kilometer vor dem Ziel von einem Auto erfasst und getötet. Sein Verlust wog schwer für die Community, doch das Transcontinental Race wurde in seinem Sinne weiter geführt. Das Filmprojekt Onboard wurde bereits 2016 mit der vierten Ausgabe des Rennens gemeinsam von Mike und Antonin ins Leben gerufen. Insgesamt deckt der Film die Jahre 2016, 2017 und 2018 ab und bietet uns die unterschiedlichsten Einblicke auf Rennen und Starter/innen, Landschaft und Natur.

Im Jahr darauf, also 2019 bekam das TCR einen unglaublichen Aufmerksamkeitsschub in der Öffentlichkeit durch den überraschenden Gesamtsieg einer Frau, der jungen Heidelbergerin Fiona Kolbinger, die bewies, dass Frauen gerade auf der Langdistanz ihre Stärken gegenüber dem vermeintlich starken Geschlecht ausspielen können. Fiona absolvierte die 4000 Kilometer Strecke zwischen Burgas am Schwarzen Meer und Brest an der französischen Atlantikküste in zehn Tagen und zwei Stunden, gönnte sich im Schnitt vier Stunden Schlaf am Tag und holte nebenbei unzählige QOMs bei Strava. Und ließ 263 Starter/innen hinter sich. 

Die Entdeckung der Langsamkeit

Während auf der einen Seite die Langdistanz als sportliche Herausforderung im Renntempo ständig weitere Fans und Verfolger gewinnt, entdecken auch immer mehr Freizeitsportler/innen die Herausforderungen der langen Strecke und sind ohne Jagd auf Rekorde und Zeiten unterwegs. Hier ist die Reise das Ziel, die Distanz ein Abenteuer. Das Rad ermöglicht es, auch sehr lange Strecken mit der eigenen Muskelkraft zu erfahren, die Umwelt in vielen Facetten wahrzunehmen und gleichzeitig zu schonen. Während es üblich ist, ganze Kontinente in Stunden per Flugzeug zu überfliegen, ist das intensive Erleben des Reisen an sich etwas, das für viele Menschen neue Reize setzt. Radreisen in die unendliche Weite sind oft auch Reisen ins Ich. Ein Film wie ANDERSWO. Allein in Afrika von Anselm Pahnke vermittelt diese Faszination – immer eng mit der Natur verbunden – ein Film, der eigentlich nur durch Zufall entstanden ist. Auch sehenswert.

Ganz weit weg

Oft weit über Langstreckenrennen hinaus beweisen Extremsportler wie Jonas Deichmann mit ihren Touren über mehrere Kontinente, dass bei entsprechender Disziplin, ungeheurem Willen und einem Schuss Wahnsinn das schier Unmögliche mit dem Rad doch möglich ist. Ihre Abenteuer können live in Social Media verfolgt werden, anschließende Vortragsreihen, Buch- und Filmprojekte sichern den Lebensunterhalt.

Selbst in den entlegensten Winkeln der Erde helfen uns mittlerweile GPS-Daten und die passende Hardware, Touren punktgenau zu planen. Portale wie Komoot werden mit jedem Fahrer, der sie nutzt, besser, Navigationsgeräte wie der Wahoo Roam bieten Karten aus allen Regionen der Welt und lassen uns Strecken ohne sichtbare Anhaltspunkte fehlerfrei abfahren. Aspekte wie Routenplanung, Organisation, Durchhaltevermögen und mentale Stärke sind – wie man an Fiona Kolbinger sieht –  bei Langstreckenveranstaltungen mitunter mehr wert als nur gute, schnelle Beine. Und auf Radreisen kompensieren sie viele Stunden Vorbereitung und Orientierungsschwächen.

Neben den elektronischen Helfern entwickelt sich der übrige Zubehörsektor ebenfalls stetig. Für alle Streckenlängen konzipierte Taschensortimente von Marken wie Apidura begeistern Radreisende und Lang-Distanzler und schaffen eine moderne Interpretation klassischer französischer Radtaschen wie z. B. die von Gilles Berthoud. Bekleidungslinien wie die Odyssey-Kollektion des japanisch-italienischen Herstellers PEdALED oder die Audax-Reihe unserer französischen Partner von Cafe Du Cycliste gehen mit ausgewählten Stoffen, erweiterten Taschen oder Reflex-Materialien auf die besonderen Anforderungen der Langstrecke ein. Hier wird auch die große Schnittmenge zur Gravelbike- und Bikepacking-Szene deutlich, beides ergänzt sich hervorragend.

Die Langstrecke auf der großen Leinwand

Nachdem wir bereits 2016 den tollen deutschen Film Brevet über Paris-Brest-Paris als Abschlussfilm des Bicycle Film Festivals in der rappelvollen Mütze gezeigt haben, freuen wir uns nun, mit Onboard – The Transcontinental Race einen Film in Düsseldorf ins Kino zu bringen, der seit seiner Premiere in Paris bereits an vielen Orten auf der Welt die Radsportgemeinde begeistert hat. Nach dem Film werden wir gemeinsam mit dem Publikum in einer Gesprächsrunde auf der Bühne kompetente Partner zum Thema Langstrecke befragen, hier werden auch Teilnehmer/innen des TCR zur Sprache kommen und von ihren Erlebnissen berichten.

Onboard the Transcontinental Race from Ahstudio Filmmakers on Vimeo.

Den Abend eröffnen wird ein Film der lokalen Crew von El Flamingo, Ice & Palms bringt Snowboards, Fahrräder und die Alpen zusammen und macht uns mit schönen Bildern locker für einen tollen Fahrradfilmabend.

Der Kinoabend bildet den Auftakt zu drei Tagen, in denen das Fahrrad in Düsseldorf im Fokus steht, da die Cyclingworld unsere Heimatstadt ein Wochenende zur Hauptstadt der Fahrradkultur machen wird. Die Messe hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem Hot-Spot in Europa entwickelt und ist Deutschlands wichtigste Endverbrauchermesse für unser liebstes Fortbewegungsmittel geworden. Viele unserer internationalen Partner und Freunde werden vor Ort sein und wir freuen uns darauf, mit der Mütze, mit unseren Ausfahrten und mit einem Stand auf der Messe dabei zu sein.

Onboard – The Transcontinental Race von Antonin Michaud-Soret

Donnerstag, 19. März 2020, 20:00 Uhr, Metropol Kino, Brunnenstr. 20, 40223 Düsseldorf

Ticket € 12,-, Vorverkauf in den nächsten Tagen in der Mütze.

#bemoremike

(c) Pics James Robertson

(c) Pic Mike Hall – Anna Haslock

PS: Ein Tipp in eigener Sache – Am Sonntag, den 28. Juni 2020 kommen Freundinnen und Freunde der kleinen Langstrecke in Düsseldorf auf ihre Kosten. Gemeinsam mit dem Cycling Club Düsseldorf organisieren wir zum zweiten Mal Düsseldorf300, eine Ausfahrt in Kleingruppen um die Landeshauptstadt, vom Langenberger Sender im Osten bis in die Niederlande. Inklusive Verpflegungsstationen und Pastaparty am Ende im Hof der Mütze.