Country Roads, take me home – Ein Tag voller Schotter, Kies & Moos

Düsseldorf und Gravelbike klingt für viele Ortsfremde im ersten Moment sicherlich ähnlich wie SUV und Königsallee: es geht, ergibt aber keinen Sinn. Dabei hat das Umland unserer Heimatstadt am Rhein trotz dichter Bebauung noch immer zahlreiche Strecken über unbefestigten Boden zu bieten, die für zweirädrige Schotterfreunde ihre Reize haben. Die zwei Routen über 75 und 120 Kilometer, die wir in den letzten Monaten kreiert haben, sind zwar keine Konkurrenz für die weltweiten Gravelride-Platzhirsche Dirty Kanza oder Grinduro, aber sie sind ein tolle Visitenkarte der Landschaft, die man auf dem Rad rund um Düsseldorf genießen kann: die kleinen Wellen, Rampen und Hügel im Osten und Nord-Osten über Ratingen bis Essen-Mintard sowie die flache Rheinlandschaft im Westen, die Orte wie Nierst, Lank und Büderich beinhaltet. Waldautobahnen, Schotterstraßen, Trampelpfade, Anstiege mit Schotter und Felsbarrikaden, Abfahrten mit grausigem Untergrund oder tiefem Kies: alles was eine Graveltour spannend gestaltet, lässt sich auch mitten in Nordrhein-Westfalen finden.

Für uns war diese Schotter, Kies & Moos – Ausfahrt die vierte Veranstaltung auf unbefestigten Wegen und beinhaltete einige Veränderungen gegenüber den für uns üblichen Ausfahrten in einer geführten Gruppe. Die Verteilung von gpx-Daten der Strecken im Vorfeld, der Start in 4er Gruppen und die verbindlichen Anmeldungen via Vorverkaufskarten, all das war für uns komplettes Neuland. Wir haben uns über die Größe des Einzugsgebiets selbst bei den limitierten 80 Tickets für die erste Ausgabe von SK&M gefreut. Gäste aus ganz NRW und selbst aus den Gravel-verwöhnten Niederlanden auf Ausfahrt im Düsseldorfer Umland.

 

Im Sonnenschein des frühen Morgens rollten zwanzig 4er Teams vom Hof der Mütze Richtung Aaper Wald. Dort teilten sich die Routen, die 75er Runde blieb eher flach und führte auf direktem Weg nach Ratingen, während die 120er Absolventen einen Schlenker Richtung Homberg via Auer Mühle unternahmen. Beide Strecken trafen und teilten sich unterwegs immer wieder, die kurze konzentrierte sich auf die entspannteren Wege, die lange führte bis  zu weiteren Anstiegen nahe Essen-Mintard. Über Duisburg-Rahm und vorbei an den Seen in Angermund führte der Weg zum Flughafen Düsseldorf. Die folgende Verpflegungsstation im Lantz‘schen Park auf dem Weg zum Rhein vereinte beide Gruppen vor einer grandiosen Villa inmitten einer tollen Parkanlage, garniert mit bombastischen Fluglärm.
Gestärkt rollten alle über die Flughafenbrücke auf die andere Rheinseite, wo in unmittelbarer Nähe zum Ufer Singletrails, Trampelpfade, Sandabschnitte und auch mal ein Wäldchen Kondition und Kraft erforderten. Mit einem Schlenker über Lank und Strümp führte die Route anschließend südlich auf den Wiesen den Rhein entlang bis zur Kniebrücke und wieder zurück in die Mütze.

Ein Kompliment für alle Beteiligten ist, dass es zu keinen unangenehmen Kontakten mit Autofahrern, Spaziergängern, Wanderern und Hundebesitzern gekommen ist. Wir alle wollen die immer kleiner werdenden Abschnitte Natur zur Entspannung in unserer Freizeit nutzen, gegenseitige Rücksichtnahme ist somit erstes Gebot. Schön, dass gesunder Menschenverstand und unsere Appelle hier zum Erfolg führten und sich niemand von den anderen Passanten gestört fühlte. Kleine Gruppen helfen sicherlich und werden entspannter wahrgenommen, als fünfzig FahrerInnen bei unserer Schotter-Tour im Rahmen der Cyclingworld.

Wir selbst konnten aufgrund der Orga nicht mitfahren, lediglich Heiner saß als technischer Support auf dem Rad und ist die lange Strecke abgefahren. Der Rest des Teams der Mütze war mit Verpflegungsstation, Fotoshooting und Vorbereitungen zur Rückkehr beschäftigt. Daher wich die Routine, die wir uns bei geführten Ausfahrten in vielen Jahren erarbeitet haben, am Sonntag einer gespannten Geschäftigkeit. Wichtigster Punkt war für uns, dass die erste so organisierte Ausfahrt am späten Nachmittag mit erschöpften, aber glücklichen Gesichtern auf dem Innenhof der Mütze endet.

Die Resonanz nach der Fahrt sowohl von Angesicht zu Angesicht als auch in den sozialen Netzwerken war super, Organisation und Streckenwahl bekamen zahllose Komplimente. Wir dürfen natürlich den Faktor Wetter nicht unterschätzen, bei Dauerregen wäre die Fahrt zwar episch geworden, aber ein Zusammensitzen im Mützenhof an langen Tischen nach der Rückkehr wäre unter Pavillons kein so großes Vergnügen geworden. Dieses gelungene Finale im Sonnenschein des Nachmittags war ein würdiger und stimmungsvoller Abschluss unserer Ausfahrt.

Wir haben uns bemüht, alle StarterInnen fotografisch abzulichten, einige hat es öfter, andere weniger oft erwischt. Euch allen viel Spaß beim Sichten der Fotos von Kerstin, Miriam & Marie.

Wir sehen uns hoffentlich bald in der Mütze oder auf dem Rad bei einer Ausfahrt. Und die nächste Herbstausgabe von  „Schotter, Kies und Moos“ ist bereits terminiert: der 1. September 2019.