Die Mütze & ein Ritt auf der wilden Dreizehn.

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Es gibt Tage, die sind ein einziger Test. Man testet sich selbst, die eigene Leistungsbereitschaft und den Willen, den eigenen Hintern, den neuen Helm, die neue Jacke und auch den Testsattel. Um den ging es bekanntlich heute. Beim allerersten Brooks Ride, der auch Brooks Ride hieß.

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Brooks produziert bekanntlich seit 2014 mit der Cambium Serie eine gelungene Alternative zum üblichen Ledersattel. Einerseits bietet das Material Naturkautschuk auch ohne Einfahrzeit veritable Dämpfungseigenschaften, andererseits freuen sich auch Veganer darüber, mal einen Brooks auf ihr Rad schrauben zu können. Während die Brooks-Sättel in den letzten Jahren eher im Fokus der Klassikergemeinde und Stylepäpste aufgestellt waren, kommt nun mit dem C13 eine Variante hinzu, die Dank des Carbon-Untergestells auch sportlich ambitionierte Rennradler begeistern kann. Die Leichtbau-Fraktion wird aufgrund der 259 Gramm kaum auf die Knie fallen, aber der Sattel macht am modernen Stahlrahmen eine ausgesprochen gute Figur. Jedoch ist der Look bekanntlich nicht alles, gerade in Sachen Sattel sollte der eigene Hintern mit in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Vor allem, wenn es nicht nur zur Eisdiele um die Ecke geht.

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Wir werden oft gefragt, was denn ein richtig guter Sattel ist. Noch öfter wird diese Frage in die Weiten des Internets geschmissen, jede obskure Gruppe mit Fahrradbezug kann hunderte solcher Threads vorweisen. Der/die Fragende erwartet von anonymen, oft wildfremden Menschen an der Tastatur eine brauchbare Einschätzung der eigenen Bedürfnisse. Die Antworten variieren, je nach Ansprechpartner und Tagesform. Im Idealfall gerät man an den Praktikanten eines Herstellers, der sich im viralen Marketing versuchen darf und dank halbwegs fundierter Standards zumindest groben Unfug außen vor lässt. Satteldiskussionen gehören neben Rasiergewohnheiten und Helm-oder-Nicht-Helm-Gemetzel zu den größten Rennrad-Nerd-Schlachten, die in den Weiten des Netzes ohne Gewinner ausgetragen werden. Und jeder Troll kann seine kleine Portion Gemeinheit unterbringen.

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Wir in der Mütze erklären Einsteigern und Wissbegierigen, dass jeder Hintern anders ist. Man kann natürlich den Abstand der Sitzknochen mit Hilfe einer Wellpappe messen, um einen groben Anhaltspunkt zu bekommen, aber das Rad, die eigene Haltung und verschiedene andere Faktoren wie Gewicht beeinflussen das Wohlbefinden der eigenen vier Buchstaben ungemein. Im Idealfall sollte man den Sattel, den man aufgrund von Vorliebe, Budget, Look und sozialer Reputation in die engere Wahl genommen hat, mal für ein bis zwei Touren auf das eigene Rad schrauben, um sich ein Urteil zu bilden. Und genau das haben wir heute gemacht. Im Rahmen der einzig wahren Winterschlampenparade.

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Erstmal wurde geschraubt, eigene Sättel runter, Testmodelle rauf. Dazu Kaffee, Croissants und Bananenbrot. Dann ging es auf unsere etablierte Rommerskirchen-Runde, die ja an normalen Tagen das absolute Wohlfühlprogramm für entspannte Radflaneure ist. Mit Ausnahme einiger wahrlich miserabler Abschnitte, die sich Dank Schlagloch/Pfützen-Eldorados als ultimative Rüttelstrecke eignen. Heute halfen zusätzlich einige clever positionierte Windböen dabei, Stellen wie den Knubbel nach Anstel oder den platten Ritt über die Felder zu echten Herausforderungen aufzublasen. Unsere recht große und nicht komplett unfitte Gruppe wurde verschiedene Male ordentlich zerzaust, doch die ausgeprägte soziale Ader aller Beteiligten verhinderte Schlimmeres. So gab es dann auch bei der Rückkehr in die Mütze nur lachende Gesichter. Wenn man bedenkt, wie schmerzhaft knappe drei Stunden auf einem 13 Zentimeter schmalen Naturkautschuk-Stück mit Baumwollüberzug sein könnten, ist das ja schon das erste Kompliment, dass man dem C13 und seinen ebenfalls montierten Brüdern und Schwestern C15, C15 carved und C17 machen kann.

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Und der eigene Eindruck? Tja, den muss ich völlig ehrlich als sehr gut bezeichnen. Ich gestehe, dass ich meine ollen Radbuxen unter den langen Winterhosen auftrage. Das Polster der Hose, die ich heute anhatte, ist platt wie eine Flunder und hat die Dämpfungseigenschaften bereits vor 12.000 Kilometern eingestellt. Mein Ritt auf dem C13 fühlte sich die gesamte Fahrzeit richtig gut an, der Sattel hat weder Schaden am Hintern noch sonst wo angerichtet. Ich fahre generell San Marco Regal, in der klassischen ebenso wie in der modernen Version. Die Formen der Sättel ähneln sich, vielleicht ist das auch der Grund, warum ich gut mit dem Cambium klar komme. Einige Tester fanden den Sattel hart, aber das finde ich meine Sättel immer. Und ich mag auch keine aufgepolsterten Modelle. Aber damit sind wir wieder bei der Frage, welches der beste Sattel ist. Nach wie vor: Ich weiß es nicht. Aber ich habe heute für meinen Allerwertesten eine richtig gute Alternative gefunden. Somit kann ich behaupten, es hat sich gelohnt. Und Spaß gemacht hat es auch noch. Trotz der ganzen Flüche und des Gezeters auf den fiesen Abschnitten. Aber auch das gehört manchmal einfach dazu.

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Falls es jemandem aufgefallen ist: die 13 auf dem Sattel steht auf dem Kopf. Warum? Weil sich Starter im Peloton die Nummer 13 auch auf dem Kopf stehend auf den Rücken heften. Eine charmante Kleinigkeit am Sattel, die zeigt, mit wie viel Liebe zum Detail Brooks am Werk ist. Finden wir gut.

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